Digitale Souveränität ist zu einer zentralen Zukunftsfrage der EU geworden. Ziel ist es, technologische Abhängigkeiten zu reduzieren und mehr Kontrolle über Daten, Infrastruktur und Innovationen zu gewinnen.
EU-Souveränität bezeichnet die Fähigkeit der Europäischen Union, selbstständig politische, wirtschaftliche, technologische und sicherheitspolitische Entscheidungen zu treffen, ohne von anderen Staaten oder Akteuren abhängig zu sein.
Der Begriff ist allerdings etwas umstritten, weil die EU kein Staat ist. Deshalb sprechen viele Politiker eher von „strategischer Autonomie“ oder „europäischer Souveränität“.
Je nach Branche oder Bereich kann die Definition der "eigentlichen" Souveränität unterschiedlich sein.
Weniger Abhängigkeit von einzelnen Ländern bei Energie, Rohstoffen oder wichtigen Produkten.
Beispiel: Nach der Corona-Pandemie wurde diskutiert, ob Europa zu abhängig von asiatischen Lieferketten für Medikamente und medizinische Ausrüstung ist.
Eigene Fähigkeiten bei Halbleitern, Cloud-Diensten, Künstlicher Intelligenz oder digitalen Infrastrukturen entwickeln.
Beispiel: Mit dem European Chips Act soll die europäische Halbleiterproduktion gestärkt werden.
Europa soll seine Sicherheit stärker selbst gewährleisten können und nicht vollständig auf andere Mächte angewiesen sein.
Die EU soll ihre Interessen weltweit wirksamer vertreten können.
Beispiel: Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine versuchte die EU, ihre Abhängigkeit von russischem Gas deutlich zu reduzieren.
Stärkung des Euro und Verringerung von Abhängigkeiten von ausländischen Finanzsystemen.
Kombiniert Hardware, Lizenzen, Verträge, Bestellungen und vieles mehr in einem System.
Europa kann seine Interessen künftig besser schützen und unabhängiger vertreten.
Gleichzeitig wird die Europäische Union weniger anfällig für Erpressungsversuche im Zusammenhang mit geopolitischen Konflikten.
Darüber hinaus bleibt die Kontrolle über kritische Infrastruktur und wichtige Schlüsseltechnologien in europäischer Hand, wodurch die Sicherheit, Stabilität und strategische Handlungsfähigkeit Europas gestärkt werden.
Der Begriff könnte als Vorwand für protektionistische Maßnahmen genutzt werden. Zudem wird argumentiert, dass vollständige Unabhängigkeit in einer globalisierten Welt kaum realistisch sei.
Darüber hinaus besteht die Sorge, dass eine stärkere Verlagerung von Kompetenzen auf die EU-Ebene die nationale Souveränität der Mitgliedstaaten einschränken könnte.
Gerade die sehr unterschiedlichen Kategorien von IT-Assets haben einen enormen Einfluss auf die Souveränität in Wirtschaft, Verwaltung aber auch privaten Unternehmen.
Typischerweise wären hierbei folgende zu nennen:
Das Ziel der EU im Bereich der digitalen Souveränität lässt sich als der Aufbau echter digitaler Handlungsfähigkeit verstehen.
Dabei geht es darum, zentrale technologische Abhängigkeiten zu reduzieren und gleichzeitig eigene Standards und Infrastrukturen zu stärken.
Ein wichtiger Baustein ist die Kontrolle über Daten: Daten europäischer Bürger und Unternehmen sollen möglichst unter europäischem Recht verbleiben und durch die Datenschutz-Grundverordnung als globalem Maßstab besonders geschützt werden.
Eng damit verbunden ist der Aufbau einer unabhängigen Cloud-Infrastruktur, um die starke Abhängigkeit von US-amerikanischen Hyperscalern wie Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure oder Google Cloud zu verringern.
Stattdessen sollen europäische Anbieter wie OVHcloud oder Angebote der Deutsche Telekom gestärkt werden. Auch im Bereich Künstliche Intelligenz und Software verfolgt die EU das Ziel, eigene Modelle und Plattformen zu entwickeln, die auf Transparenz, Regulierung und europäischen Werten basieren, unter anderem im Rahmen des EU AI Act.
Ein weiterer strategischer Bereich ist die Halbleiter- und Hardwareproduktion: Mit Initiativen wie dem European Chips Act soll eine eigene Chipindustrie gefördert und die Abhängigkeit von asiatischen Produktionsstandorten, insbesondere Taiwan und Südkorea, reduziert werden.
Schließlich spielt auch die digitale Infrastruktur eine zentrale Rolle, etwa beim Ausbau von 5G- und künftigen 6G-Netzen, wo geopolitische Debatten um Anbieter wie Huawei eine wichtige Rolle gespielt haben.
Ergänzt wird dies durch europäische Satellitenprojekte wie die Zusammenarbeit mit Eutelsat sowie das geplante IRIS²-System, das eine sichere und unabhängige Kommunikationsinfrastruktur in Europa schaffen soll.
Die Geräte- und Software-Daten werden vielfältig eingesetzt und haben sehr unterschiedlichen Nutzen dabei:
Hierbei kommen automatische Systeme (ITAM, SAM, aber auch andere Bereiche) zum Einsatz und helfen den Teams die Technik jederzeit zu kontrollieren, die Daten darüber verwalten und letztlich hochwertige Entscheidungen treffen zu können.
Die Kenntnis um und über die eigenen IT-Assets und der Zugriff auf einen hochwertigen Datenpool sind die entscheidenden Kriterien für souveräne digitale Entscheidungen.
EU-Souveränität bedeutet in der Praxis meist nicht, dass Europa völlig unabhängig von allen anderen wird.
Gemeint ist eher, dass die EU in entscheidenden Bereichen eigene Handlungsfähigkeit besitzt und wichtige Entscheidungen treffen kann, ohne von einzelnen ausländischen Mächten abhängig zu sein.
Zusammengefasst: EU-Souveränität ist der Versuch, europäische Handlungsfreiheit in einer Welt großer Mächte wie den USA und China zu sichern.
CTO
Herr van der Steeg ist bei der EntekSystems als Chief Technology Officer für alle Belange der Produktentwicklung und technischen Konzeption verantwortlich.
Kombiniert Hardware, Lizenzen, Verträge, Bestellungen und vieles mehr in einem System.
Weitere Artikel und Beiträge
Seit dem Nikolaustag 2025 ist die NIS-2-Regelung gesetzlich verankert und muss innerhalb der nächsten Monate umgesetzt werden. Wissen Sie worauf es ankommt und ob Sie betroffen sind?
Microsoft dominiert mit Windows, Office und Azure den Markt. Doch nutzt es seine Macht fair oder blockiert es Konkurrenten? Von App-Store-Kontrolle bis Cloud-Abhängigkeit – wie viel Wettbewerb bleibt noch?
2025 wird Unternehmen und deren Mitarbeiter vor neue Herausforderungen stellen. - Was ändert sich in 2025 und wer ist davon in welcher Form betroffen?