Der IT-Ausfall an Berliner Gerichten zeigt: Fehlendes Lizenzmanagement kann kritische Systeme lahmlegen. Transparenz, Kontrolle und Vorsorge werden zur Pflicht im Alltag
Der mehrtägige IT-Ausfall an den Berliner Straf- und Zivilgerichten hat eindrucksvoll verdeutlicht, welche weitreichenden Folgen ein scheinbar technisches Detail haben kann.
Aufgrund eines Problems mit der Lizenzierung einer Schnittstellensoftware konnten sich Richterinnen, Richter und Justizmitarbeitende nicht mehr an den zentralen Systemen anmelden.
Elektronische Akten, E-Mails und Fachanwendungen waren nicht mehr verfügbar und Gerichtsverhandlungen mussten verschoben, Haftbefehle teilweise handschriftlich erstellt und Mitarbeitende nach Hause geschickt werden.
Während die öffentliche Diskussion verständlicherweise auf den unmittelbaren Systemausfall fokussiert war, zeigt der Vorfall vor allem eines: Ein professionelles Lizenzmanagement ist heute weit mehr als eine kaufmännische Disziplin.
Viele Unternehmen verbinden Software Asset Management (SAM) oder Lizenzmanagement in erster Linie mit der Optimierung von Lizenzkosten oder der Vorbereitung auf Hersteller-Audits.
Tatsächlich umfasst modernes Lizenzmanagement jedoch deutlich mehr:
Gerade in komplexen IT-Landschaften mit Cloud-Diensten, hybriden Infrastrukturen und abonnementbasierten Lizenzmodellen wächst die Bedeutung einer zentralen Verwaltung kontinuierlich.
Nach Angaben der Berliner Justizverwaltung lag die Ursache des Ausfalls bei einer Lizenzproblematik einer Software, die für den Zugriff auf zentrale Server erforderlich war. Obwohl die eigentlichen Server verfügbar waren, konnten sich Anwender nicht mehr anmelden. Die komplette Arbeitsfähigkeit der betroffenen Gerichte war dadurch erheblich eingeschränkt.
Der Vorfall macht deutlich: Nicht nur Hardware oder Netzwerke können kritische Abhängigkeiten darstellen.
Auch Lizenzserver, Aktivierungsmechanismen oder fehlerhafte Lizenzupdates können geschäftskritische Systeme vollständig außer Betrieb setzen.
Organisationen begegnen häufig ähnlichen Herausforderungen:
Besonders kritisch wird dies bei zentralen Authentifizierungs-, Remote-Zugriffs- oder Sicherheitslösungen, deren Ausfall unmittelbar den Geschäftsbetrieb beeinträchtigt.
Ein professionelles Software Asset Management verfolgt das Ziel, sämtliche Software-Assets über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg zu verwalten.
Dazu gehören unter anderem:
Dadurch entsteht eine belastbare Datengrundlage sowohl für wirtschaftliche Entscheidungen als auch für den sicheren Betrieb.
Kombiniert Lizenzen, Verträge, Erinnerungen und vieles mehr in einem System.
Insbesondere größere Organisationen profitieren von automatisierten Prozessen.
Moderne SAM-Lösungen können beispielsweise:
Dadurch sinkt das Risiko menschlicher Fehler erheblich.
Der Berliner Vorfall zeigt, dass Lizenzmanagement nicht isoliert betrachtet werden sollte. Es gehört in ein ganzheitliches Business Continuity Management (BCM).
Dazu zählen unter anderem:
Anstatt alle Lizenzen über einen einzelnen Server bereitzustellen, werden mehrere Lizenzserver eingerichtet, die sich gegenseitig absichern. Fällt der primäre Lizenzserver aufgrund eines Hardwaredefekts, eines Softwarefehlers oder einer Netzwerkstörung aus, kann ein sekundärer Server die Lizenzbereitstellung übernehmen.
Dadurch wird verhindert, dass Anwender den Zugriff auf geschäftskritische Anwendungen verlieren und Arbeitsprozesse zum Stillstand kommen.
Je nach eingesetztem Lizenzmanagementsystem können redundante Lizenzserver in Form eines Failover-Clusters, eines Triad-Systems oder durch verteilte Lizenzserver an unterschiedlichen Standorten realisiert werden.
Besonders in Unternehmen mit mehreren Niederlassungen oder einer hybriden IT-Infrastruktur erhöht eine geografische Trennung der Lizenzserver zusätzlich die Ausfallsicherheit, da lokale Störungen oder Rechenzentrumsausfälle nicht zwangsläufig zum vollständigen Verlust der Lizenzversorgung führen.
Dokumentierte Notfallprozesse legen verbindlich fest, welche Maßnahmen im Falle eines Ausfalls des Lizenzmanagementsystems zu ergreifen sind, welche Personen oder Abteilungen verantwortlich sind und in welcher Reihenfolge die einzelnen Schritte erfolgen.
Ziel ist es, Ausfallzeiten zu minimieren, Unsicherheiten im Krisenfall zu vermeiden und eine schnelle Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebs zu ermöglichen.
Ein Notfallprozess sollte alle relevanten Szenarien abdecken, beispielsweise den Ausfall eines Lizenzservers, beschädigte Lizenzdateien, Netzwerkstörungen oder fehlgeschlagene Softwareupdates.
Darüber hinaus sollten detaillierte Anleitungen für die Wiederherstellung des Lizenzservers, den Wechsel auf redundante Systeme sowie die Kommunikation mit Softwareherstellern und internen Fachbereichen enthalten sein. Ebenso wichtig ist die Dokumentation der erforderlichen Zugangsdaten, Konfigurationsinformationen und Ansprechpartner, damit diese im Ernstfall ohne Zeitverlust verfügbar sind.
Regelmäßige Wiederherstellungstests sind ein wesentlicher Bestandteil eines wirksamen Business Continuity Managements und stellen sicher, dass die geplanten Maßnahmen zur Wiederaufnahme des Lizenzbetriebs im Ernstfall tatsächlich funktionieren.
Eine vorhandene Sicherung oder ein dokumentierter Wiederherstellungsprozess allein bietet keine ausreichende Sicherheit, da sich im Laufe der Zeit Fehler in Konfigurationen, Abhängigkeiten oder Zugriffsrechten entwickeln können. Erst durch praktische Tests lässt sich überprüfen, ob Lizenzserver, Lizenzdateien und zugehörige Systeme innerhalb der vorgesehenen Zeit wiederhergestellt werden können.
Im Rahmen solcher Tests wird beispielsweise geprüft, ob ein ausgefallener Lizenzserver aus einer Sicherung wieder aufgebaut, die Lizenzkonfiguration korrekt eingespielt und die Verbindung zu den angebundenen Anwendungen wiederhergestellt werden kann.
Dabei sollten nicht nur technische Aspekte betrachtet werden, sondern auch organisatorische Abläufe wie die Einbindung verantwortlicher Administratoren, die Kommunikation mit Fachbereichen und gegebenenfalls die Kontaktaufnahme mit Softwareherstellern. Die Ergebnisse der Tests liefern wichtige Erkenntnisse über mögliche Schwachstellen und ermöglichen es, Wiederherstellungsprozesse gezielt zu verbessern.
Ein wirksames Monitoring sollte wesentliche Betriebsparameter der Lizenzinfrastruktur erfassen.
Dazu gehören beispielsweise die Erreichbarkeit der Lizenzserver, die Verfügbarkeit der benötigten Dienste, die Auslastung vorhandener Lizenzen sowie die Gültigkeit und Laufzeit von Lizenzzertifikaten.
Ebenso sollten Fehlermeldungen, ungewöhnliche Zugriffsmuster oder eine kritische Annäherung an verfügbare Lizenzgrenzen überwacht werden. Frühzeitige Warnmeldungen ermöglichen es Administratoren, Gegenmaßnahmen einzuleiten, bevor Anwender oder Geschäftsprozesse beeinträchtigt werden.
Gerade bei kritischen Behörden, Krankenhäusern oder Unternehmen mit hoher Verfügbarkeitsanforderung sollte geprüft werden, welche Softwarekomponenten im Fehlerfall den gesamten Geschäftsbetrieb beeinträchtigen können.
Der Vorfall liefert mehrere praxisnahe Erkenntnisse:
Der Fokus im Lizenzmanagement muss ein nachhaltiger und zentraler Ansatz sein, der sich auf Mehrwerte fokussiert, anstatt eine reine Kostenfunktion zu adressieren.
Der IT-Ausfall an den Berliner Gerichten verdeutlicht eindrucksvoll, dass digitale Resilienz nicht allein von Hardware, Netzwerken oder Cybersecurity abhängt.
Auch Softwarelizenzen und deren Verwaltung können zu einem kritischen Faktor für die Betriebsfähigkeit werden. Ein professionelles Lizenzmanagement schafft Transparenz, reduziert Risiken und unterstützt sowohl Compliance als auch den wirtschaftlichen Betrieb der IT.
Unternehmen und öffentliche Einrichtungen sollten Lizenzmanagement daher nicht ausschließlich als Verwaltungsaufgabe verstehen, sondern als integralen Bestandteil ihrer IT-Governance und ihrer betrieblichen Resilienz.
Der Berliner Vorfall zeigt eindrucksvoll, dass bereits eine einzelne fehlerhafte Lizenzierung ausreichen kann, um den Betrieb einer gesamten Organisation erheblich einzuschränken.
CTO
Herr van der Steeg ist bei der EntekSystems als Chief Technology Officer für alle Belange der Produktentwicklung und technischen Konzeption verantwortlich.
Kombiniert Hardware, Lizenzen, Verträge, Bestellungen und vieles mehr in einem System.
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