Glasfaser oder Kupfer? Im Rack haben beide ihre Berechtigung. Entscheidend sind Bandbreite, Reichweite, Störanfälligkeit und Kosten und somit die richtige Technik für den jeweiligen Einsatz.
Server, Switches und Router müssen miteinander verbunden werden, aber nicht jede Verbindung benötigt Glasfaser. Für kurze bis mittlere Distanzen innerhalb oder zwischen benachbarten Racks ist der Kupfer-Direktanschluss oft die bessere Wahl: günstiger, energieeffizienter und mit geringerer Latenz als optische Lösungen.
Doch „Kupferkabel“ ist nicht gleich Kupferkabel: DAC, ACC und AEC sind drei verschiedene Technologien, die sich hinter ähnlich aussehenden Steckern verbergen.
Die Wahl des richtigen Kabels hängt von Reichweite, Stromverbrauch und Betriebssicherheit ab.
Alle drei sind sogenannte Direct-Attach-Kabel: ein durchgehendes Twinax-Kupferkabel, das an beiden Enden fest mit den Steckverbindern (SFP, QSFP, OSFP usw.) verbunden ist, ohne separaten Transceiver und ohne steckbare Glasfaser-Patchkabel.
Dies gilt unabhängig davon, ob sich aktive Elektronik im Steckverbinder befindet. „Direct Attach“ beschreibt lediglich die feste Verbindung zwischen Kabel und Steckverbinder, nicht die Signalverarbeitung während der Übertragung.
Der eigentliche Unterschied zwischen DAC, ACC und AEC liegt darin, wie viel Elektronik in den Steckverbindern verbaut ist und wie diese das Signal beeinflusst.
Die einfachste und günstigste Option: reines Twinax-Kupfer ohne jegliche aktive Signalverarbeitung. Das Signal wird unverändert vom Sender zum Empfänger übertragen.
Mit steigenden Datenraten wird der Signalverlust durch Kupfer schnell zum limitierenden Faktor. Deshalb werden passive DACs bei höheren Datenraten kürzer, dicker und steifer.
Ideal für: die kürzesten Verbindungen im Rack, z. B. vom Top-of-Rack-Switch zum Server.
ACC integriert eine kleine aktive Elektronik in die Steckverbinder: einen Redriver/Equalizer . Dieser verstärkt das elektrische Signal und kompensiert Kupferverluste: Er „frischt“ das Signal auf, anstatt es von Grund auf neu zu erzeugen.
Wichtig zu wissen: Ein Redriver erzeugt kein neues Taktsignal. Er kompensiert kabelbedingte Verzerrungen (Interferenz zwischen Symbolen), verstärkt aber gleichzeitig eingehendes Rauschen und Jitter, anstatt das Jitter-Budget zurückzusetzen. Dadurch stellt ACC eine Zwischenstellung zwischen DAC und AEC dar.
Ideal für: etwas mehr Reichweite oder ein handlicheres Kabel, ohne die volle Komplexität eines Retimers.
Die fortschrittlichste Kupferoption: Anstelle eines Redrivers verwendet AEC einen DSP-basierten Retimer in den Steckverbindern. Dieser stellt Takt und Daten vollständig wieder her (Clock Data Recovery) und überträgt ein vollständig regeneriertes Signal.
Da der Retimer das Signal von Grund auf neu aufbaut, können AECs dünner und flexibler gefertigt werden als ein passives Kupferkabel gleicher Länge. Dies erweist sich als ein echter Vorteil in dicht bestückten modernen Racks.
Ideal für: 400G/800G-Verbindungen innerhalb des Racks oder zwischen benachbarten Racks, wenn die Reichweite des DAC nicht ausreicht, eine rein optische Lösung aber übertrieben wäre.
Wenn keine der Kupferoptionen die Distanz überbrücken kann, kommt Glasfaser in zwei Formen zum Einsatz:
Aktives optisches Kabel (AOC), das wie DAC/ACC/AEC fest mit seinen Steckverbindern verbunden ist (und auch als Breakout-Kabel, z. B. 800G auf 2×400G, erhältlich ist), jedoch optisch statt elektrisch überträgt; oder ein klassischer steckbarer Transceiver mit separatem Glasfaser-Patchkabel , der je nach Transceiver-Typ deutlich größere Entfernungen von einigen hundert Metern bis zu mehreren zehn Kilometern ermöglicht.
AOC erreicht typischerweise bis zu 30 m, manchmal bis zu 100 m, bei einem merklich höheren Stromverbrauch als Kupfer, insbesondere bei hohen Datenraten.
Auch AEC benötigt bei 800G bereits eine beachtliche Menge Strom (ca. 21–26 W für das gesamte Kabel). AOC verbraucht bei vergleichbaren Datenraten tendenziell noch etwas mehr (etwa 24–34 W), sodass der Effizienzvorteil von Kupfer gegenüber Glasfaser bei den höchsten Datenraten zwar geringer wird, aber nicht verschwindet. Für kurze Verbindungen innerhalb und zwischen Racks sind DAC, ACC und AEC in den meisten Fällen die effizientere und kostengünstigere Wahl.
Grob gesagt gilt im Rechenzentrum: Die kürzesten Server-zu-ToR-Verbindungen (Top-of-Rack) laufen typischerweise über DAC, während längere oder Inter-Rack-Verbindungen (ToR-zu-Spine) eher AOC, AEC oder ACC verwenden.
Kenntnisse über diese drei Technologien und ihre jeweiligen Vor- und Nachteile ermöglichen Ihnen eine zuverlässigere, kostengünstigere und effizientere Verkabelung Ihres Racks.
CTO
Herr van der Steeg ist bei der EntekSystems als Chief Technology Officer für alle Belange der Produktentwicklung und technischen Konzeption verantwortlich.
Kombiniert Hardware, Lizenzen, Verträge, Bestellungen und vieles mehr in einem System.
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