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Microsoft SQL Server Lizenzierung im Überblick

Welche Lizenzen werden für den Einsatz eines Microsoft SQL Servers benötigt und wie lassen sich Einsparpotentiale erzielen?

Michael Kostka
Michael Kostka Veröffentlicht am 22.03.2022

Microsoft SQL Server ist ein vor allem bei Business-Anwendungen weit verbreitetes relationales Datenbanksystem. Hierfür bietet Microsoft verschiedene Lizenzierungsmodelle an, die sich teils stark nach dem jeweiligen Einsatzzweck aber auch dem Funktionsumfang (= Edition) richten.

Editionen

Die Lösung steht dabei primär in 3 gängigen Editionen zur Verfügung, welche die folgenden Unterscheidungsmerkmale bieten:

  • SQL Server Express
    Kostenfreie Variante des SQL Servers mit beschränkten Funktionen und Limitierungen:
    max. 4 CPU Kerne, max. 10 GB Datenbankgröße, 1 GB Memory Limit DB Engine, kein SQL Agent Verwaltungs-Tool

  • SQL Server Standard
    Kostenpflichtige Variante des SQL Servers mit erweiterten Funktionen:
    max. 24 CPU Kerne, max. 524 PB Datenbankgröße, inkl. SQL Agent Verwaltungs-Tool, integrierte Backupmöglichkeiten

  • SQL Server Enterprise
    Top Variante des SQL Servers mit Enterprise Funktionen:
    unlimitierte CPU Kerne, wie Standard + Clusterfunktionen, Verschlüsselung, In-Memory-Datenbanken

Zusätzlich gibt es noch zwei weitere Varianten, welche man in der Praxis eher selten antrifft:

  • SQL Server Developer Edition: Ausschließlich für Entwicklungszwecke
  • SQL Server Web Edition: Spezielle Variante für Lösungspartner

Lizenzierungsarten

Damit es für den Administrator - neben der Auswahl der passenden Edition - nicht gar zu einfach wird, muss auch zwischen verschiedenen Lizenzmodellen bzw. Lizenzierungsarten unterschieden werden.

Verfügbar ist Microsofts SQL Server in einer Server+CAL (= Client Access License) und einer Core (= pro CPU Kern) Lizenzierung und bewegt sich damit in den gängigen Lizenzierungsarten.

Hierbei ist zu beachten, dass die per Core Lizenzierung lediglich der Standard und Enterprise Edition vorbehalten ist.

Server

Bei der Server-Lizenzierung wird zunächst pro Server lizenziert, auf dem ein Microsoft SQL Server betrieben wird. Zusätzlich werden noch Zugriffslizenzen in Form von User CALs oder Device CALs benötigt.

  • CPUs, Cores der Server werden bei der reinen Serverlizenz nicht berücksichtigt
  • Es ist egal, ob der Server physisch oder virtuell betrieben wird
  • Auch Docker Container werden als virtuelle Maschinen gezählt und sind somit voll zu lizenzieren

Zu der eigentlichen Serverlizenz kommen dann noch die nachfolgenden Zugriffslizenzen / CALs hinzu.

User CAL

Bei User CALs wird jeder direkt oder indirekt zugreifende Benutzer lizenziert. Von welchem Endgerät aus der Benutzer zugreift ist dabei unerheblich.

Hier gilt zu beachten, dass auch indirekte Zugriffe lizenziert werden müssen. D.h. es muss nicht nur der technische Datenbankuser der Applikation lizenziert werden, sondern jeder Benutzer, der Zugriff auf die Applikation nehmen könnte.

Beispiel hierfür wären z.B. die Lizenzierung von Mitarbeitern aus der Buchhaltung, die eine Microsoft SQL Server basierte Applikation benutzen.

Device CAL

Im Falle einer Lizenzierung mit Device CALs muss jedes unmittelbar oder mittelbar zugreifende Endgerät lizenziert werden. Wichtig ist hierbei, dass die tatsächlichen Endgeräte und nicht Zwischengeräte wie Loadbalancer, Reverse-Proxies oder Applikationsserver gezählt werden.

Beispiel hierfür wären z.B. Lager-PCs oder Terminals (Zeit und Zutritt), die keinem festen Mitarbeiter zugeordnet werden können.

Core

Bei der Core Lizenzierung werden weder Server-Lizenzen noch Zugriffslizenzen (= CALs) benötigt. Es können somit beliebig viele direkt oder indirekt zugreifende Benutzer und Endgeräte zugreifen.

  • Jeder physische oder virtuelle Prozessorkern muss lizenziert werden
  • Es müssen mindestens 4 CPU Kerne lizenziert werden
  • Core-Lizenzen können in 2er Paketen nachgekauft werden
  • In Verbindung mit einer Software Assurance können in virtuellen Umgebungen auch nur die physischen Kerne des darunter liegenden Hypervisors lizenziert werden. Alle darauf betriebenen virtuellen Maschinen mit SQL Server sind dann ebenfalls mit der Lizenz abgedeckt.

Welche Rolle spielt IT Asset Management?

Wir sehen hier schon alleine anhand der verschiedenen Lizenzierungsarten und komplexen Lizenzbestimmungen, dass eine tiefe Kenntnis der gesamten IT Umgebung notwendig ist.

  • Wie viele CPU-Kerne besitzt mein SQL Server?
  • Welche Benutzer nutzen eine bestimmte Anwendung?
  • Auf welchen Bereich / Abteilung ist ein Server gebucht?

All dies sind Fragen, die nur durch eine Kombination von IT-Inventarisierung, Benutzerübersicht und Lizenzmanagement in einem zentralen System beantwortet werden können.

Einsparpotentiale

Abhängig vom geplanten Einsatzweck ergeben sich durch die verschiedenen möglichen Lizenzierungsarten teils drastische Einsparpotentiale.

Web Applikationen

Gerade für häufig eingesetzte Web Applikationen ergeben sich durch Wahl des richtigen Lizenzenzmodells sehr schnell Einsparpotential.

Schauen wir uns hierzu einmal das nachfolgende Beispiel an. In einem Unternehmen mit 800 Mitarbeitern wird ein zentrales Intranet (Web Applikation) betrieben, auf das alle Benutzer Zugriff haben.

Da bei einer User CAL Lizenzierung jeder der 800 Mitarbeiter lizenziert werden müsste, sollte auch im Sinne des zukünftigen Wachstums direkt auf eine per Core Lizenzierung gesetzt werden.

Software Aussurance

Microsoft bietet für SQL Server eine optional erhältliche Software Assurance (= SA) mit an. Hierbei handelt es sich um eine Art Lizenzvertrag mit Zusatzrechten:

  • In Failover Clustern müssten passive SQL Server Instanzen (meist) nicht lizenziert werden
  • Lizenzmobilität: SQL Server dürfen jederzeit zwischen physischen Servern migriert werden. Ohne SA nur alle 90 Tage.
  • Übertragung der Instanz inkl. Lizenz an einen externen Dienstleister bzw. Hoster
  • Neueste SQL Server Versionen können direkt benutzt werden (= Updaterecht)

Fazit

Wie zu erwarten ist das Thema Microsoft SQL Server Lizenzierung sehr vielschichtig und an manchen Stellen mit etlichen Fallstricken behaftet.

Im Falle eines Lizenzaudits ist eine saubere Dokumentation der Lizenzzuweisungen und Verträge (Stichwort: Software Assurance) ein absolut wichtiger Punkt.

Eine vorherige Abwägung des geplanten Einsatzbereichs kann hier Kostenfallen verhindern.

Michael Kostka
Michael Kostka Autor

Geschäftsführer / CEO

Gründer und Geschäftsführer der EntekSystems GmbH. Herr Kostka verantwortet bei uns die Bereiche technischer Vertrieb und Leitung des Tagesgeschäfts.

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