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EntekTalk: Process Mining & ITAM – Teil 2: Nachhaltigkeit

Hinter jedem erfolgreichen Unternehmen stehen Menschen. Im EntekTalk sprechen wir mit Branchenexperten über die aktuellen Entwicklungen & modernsten Technologien. Heutiges Thema: Process Mining mit Dirk Hermans

Alexander Ritter
Alexander Ritter Veröffentlicht am 06.12.2022

⚙️ ITAM – Einfach überall zu verwenden!

IT-Asset-Management ist der Sockel für verschiedenste Technologie-Themen. Primär geht es um den IT-Lifecycle von der Beschaffung, Wartung bis zur Entsorgung. Um diese Teilbereiche abdecken zu können, sind sehr unterschiedliche Technologien und Frameworks nötig.

Anbindung an Prozesse, Datenaustausch, Optimierungen auf Prozess-Ebene, Qualitätsverbesserungen auf Daten-Ebene und vieles mehr spielen sich auch im ITAM-Bereich ab und bilden die Grundlage für viele weitere Optimierungsschritte.

Die Integrations- und Technologie-Möglichkeiten bei IT-Asset-Management sind nahezu grenzenlos, weshalb wir auch aus gesellschaftlicher Sicht gerne über den Tellerrand hinaus schauen und den technischen Horizont um spannende Technologien wie Künstliche Intelligenz, Machine Learning aber auch Process Mining beleuchten wollen.

Process Mining bietet eine wertvolle Unterstützung, um zu verstehen, wie die Prozesse im Unternehmen tatsächlich ablaufen.

Experte: Ph.D. Dirk Hermans

Dirk Hermans stammt ursprünglich aus Deutschland, verbrachte sein Studium sowohl in Deutschland als auch in den USA. Im Anschluss begann er in Großbritannien in der Wirtschaftsprüfung zu arbeiten und landete später in der Beratung bei den Big4. Insgesamt hat er 24 Jahre Erfahrung sammeln können, angefangen mit einigen Jahren in London, danach in New York und später auch in Tokyo. Seine Beratung lag insbesondere im Bereich von Börsengängen und Financial Metrics.

In den letzten Jahren ging er in die Richtung der Digital Transformation. Privat interessiert er sich sehr für neue Technologien, ist in diesem Bereich enorm belesen und Experte für Process Mining, Data Analytics AI meets Financial Reporting & Co. – Da der Fokus der Beratung damals eher auf Finanzen lag, wollte er diese Techniken auch im Bereich der Nachhaltigkeit etablieren.

So ist es nur der logische Schritt, dass er sein Hobby auch zum Beruf machte und heute als CEO & Co-Founder von EcoWise als einer der Experten für Process Mining gilt, mit Unternehmenssitz in der Schweiz.

Über EcoWise

Das schweizerische Unternehmen EcoWise GmbH hat mit der Process-Mining-Plattform ESG-Explorer eine B2B-SaaS-Lösung auf den Markt gebracht, die Unternehmen im Bereich Sustainability unterstützt. Das Tool nutzt Daten und Analysen, um dem Management Einblicke in Nachhaltigkeitsziele und umsetzbare Empfehlungen in Echtzeit zu geben und Process Mining für Business anzubieten. Für mehr Transparenz hat man den Namen EcoWise gewählt.

Erfahren Sie mehr über den ESG-Explorer

🔙 Rückblick: Teil 1: Die Technik

Im ersten Teil unseres Expertengesprächs mit Dirk Hermans von EcoWise wurden die Vorteile und Möglichkeiten von Process Mining erläutert.

Durch konsequente Nutzung der Technologie kann die Transparenz angehoben und bisher unbekannte Erkenntnisse für technische und betriebswirtschaftliche Prozesse gewonnen werden. Durch die weitere Mischung mit anderen Technologien wie z. B. Machine Learning, künstlicher Intelligenz oder auch ITAM werden Synergien erzeugt und die Wettbewerbsfähigkeit optimiert.

Im heutigen Beitrag legen wir den Fokus auf die Nachhaltigkeit.

♻️ Gesellschaftliche Bedeutung von Nachhaltigkeit

Die Menschheit ist auf eine funktionierende Umwelt angewiesen, da Wetter, Klima und stabile Bedingungen den Lebensraum überhaupt ermöglichen. Unsere Einstellung der letzten 150 Jahre muss sich drastisch von der Wegwerfgesellschaft entwickeln, damit wir aufhören unsere Umwelt weiter zu zerstören.

Somit wird Nachhaltigkeit auch zum Wettbewerbsthema und gleichzeitig eine Notwendigkeit, um den nachfolgenden Generationen eine lebenswerte, zukunftsfähige Umwelt übergeben zu können.

Es gibt keinen Planet B.

Prof. Mike Berners-Lee.

Aus diesen Gründen ist es die Aufgabe jeder Gesellschaft, auf Aspekte der Nachhaltigkeit zu achten, diese mit dem passenden Mindset zu versehen und zudem auch technologische Lösungen zu (er-)finden.

🎙️ Das Interview

1. Process Mining, ITAM & die Nachhaltigkeit

Alexander Ritter: Hallo Dirk und Alex, willkommen zum zweiten Teil unseres Interviews über die Gemeinsamkeiten von ITAM und Process Mining. Wir leben in einer Welt, in der wir täglich mit den Begriffen Nachhaltigkeit und CO²-Bilanz konfrontiert werden. Gerade auch die “R-Begriffe” wie Refurbishment oder Recycling spielen eine immer wichtigere Rolle in unserer Welt. 

Wo ist Process Mining in dem ganzen Thema zu sehen? Wie ist es verortet und wie kann es vor allem eben auch helfen, deutlich nachhaltiger zu agieren, gerade als Unternehmen?

Dirk Hermans: Zuerst möchte ich erwähnen, dass ich die inflationäre Verwendung des Begriffes Nachhaltigkeit sehr kritisch sehe und es mir bereits seit einiger Zeit ein Dorn im Auge ist. Leider sind die großen Worte der heutigen Zeit oft eine Einladung für das eigene Branding und Marketing, damit man irgendwie seine Message modern verpackt.

Das ist schade, weil die Themen so ein bisschen von ihrer Wirkung verlieren. Schließlich sind gerade diese Begriffe auch der Grund, wieich im ersten Teil unseres Interviews hingewiesen, dass ich etwas entwickeln will, bei dem es sowohl um die neuesten Technologien als auch um Nachhaltigkeit geht.

Alexander Ritter: Was ist dein Ziel dabei?

Dirk Hermans: Die Realität muss wirklich verbessert werden & weg von Greenwashing bei den Unternehmen.

Um nachhaltiger zu werden haben wir mit CO2-Management bei EcoWise angefangen. Es gibt viele Lösungen auf dem Markt, aber das sind eigentlich immer reine CO2-Kalkulatoren. In diesen werden oft Zahl 1 und Zahl 2 addiert und fertig ist die Berechnung, hier werden aber viele Details völlig außer Acht gelassen. Wir, als EcoWise, gehen einen anderen Ansatz!

Dafür möchte ich an dieser Stelle einen Blick zurückwerfen: Wie gesagt ich war bei den vier großen Beratungsfirmen und dort gibt es ganze Abteilungen, die sich darum kümmern. Diese gehen allerdings nur selten der Sache auf den Grund.

Das ist alles Strategie, aber wirklich konkrete Lösungen habe ich da noch nicht gesehen und deswegen denke ich, ist es an der Zeit, dass wir jetzt bessere Lösungen im Bereich der Nachhaltigkeit anwenden.

Die Realität muss wirklich verbessert werden & weg von Greenwashing bei den Unternehmen!

Dirk Hermans

Alexander van der Steeg (CTO EntekSystems GmbH): Richtig gutes Reporting ist schlicht nur mit besseren Daten und Echtzeit-Insights möglich?

Dirk Hermans: Ganz genau! Es ist daher besser bereits jetzt ein solches robustes Modell mit Process Mining zu implementieren, um vorbereitet zu sein und das Tool nicht in zwei Jahren erneut ersetzen zu müssen, da ein einfacher Carbon Calculator nicht die nötigen Insights liefern kann.

Zum Beispiel kann genauestens analysiert werden, wo das CO² in der Lieferkette herkommt und entsprechende Maßnahmen erwirken.

Das Schöne daran ist: es sind nicht nur Testdaten, sondern sie sind direkt integriert in den echten Prozess. Man benötigt einen gesamtheitlichen Blick auf die Prozesse und Matrizes auch auf die Financial Metrics & Co., um verschiedene Szenarien bewerten zu können und sich entsprechende Verbesserungsmöglichkeiten anzeigen zu lassen.

Aber Achtung: Tools ohne Process Mining bieten an dieser Stelle oft eine Verbesserung von 20% beim CO² Footprint an. Hier steckt der Teufel aber im Detail, da man möglicherweise gleichzeitig 20% höhere Kosten verursachen würde und somit nicht mehr wettbewerbsfähig wäre.

Ich bin überzeugt: Nachhaltig als Unternehmen zu werden, ist nicht wettbewerbsschädlich, sondern wettbewerbsförderlich! Aber man muss es vernünftig machen.

Wenn man eine Sache macht und Verbesserungen vornehmen will, muss man an der anderen Seite auch verstehen was geschieht, sprich, was die Auswirkungen einer Maßnahme bedeuten. Nur so kann ich gesamtheitlich eine Verbesserung meiner Unternehmensprozesse vornehmen.

Nachhaltig als Unternehmen zu werden, ist nicht wettbewerbsschädlich, sondern wettbewerbsförderlich!

Dirk Hermans

2. Daten als Grundlage der Digitalisierung

Alexander Ritter: Wie du es gerade sagtest, bietet Process Mining wertvolle Insights in die Unternehmensdaten. Man hört immer wieder: Daten sind eigentlich die Währung des 21. Jahrhunderts und wer nicht digital ist, existiert im Grunde fast nicht mehr. Gerade wenn wir Daten als Grundlage der Digitalisierung betrachten, stellt sich uns die große Frage: Wie sehen das die Unternehmen?

Dirk Hermans: Das ist eine sehr wichtige Frage! Das höre ich manchmal in Gesprächen mit Mandanten, manchmal sagen sie, dass die Lösung großartig ist, das Unternehmen selbst aber weiß, dass deren Datenqualität schlecht ist.

Wir können allerdings auch keine Wunder vollbringen, erstmal müssen wir schauen, dass man die Daten in Ordnung bringt.

Denn auch hier ist klar: Wenn wir schlechte Daten in das Modell reingeben, kommen schlechte Ergebnisse wieder raus.

 

Alexander Ritter: In unserer täglichen Arbeit und im Erfahrungsaustausch mit unseren Kunden und Partnern erleben wir, dass es grundsätzlich ein großes Nachhaltigkeitsthema gibt und die Frage nach der Qualität der Daten oft von Mitarbeitenden der Unternehmen selbst kritisiert wird. Wie siehst du es aus deiner Perspektive?

Alexander van der Steeg: Definitiv! Daten, von uns oder auch von anderen erhoben, dienen erstmal als Grundlage jeder Entscheidung: Kann die Nachhaltigkeit überhaupt im alten Bereich nur mit diesem Daten-Modell, das ein jeweiliges Unternehmen für sich definiert, überhaupt erreicht werden?

Mit welcher Qualität in den Daten ist zu arbeiten und was sind die echten nachhaltigen Ziele der Unternehmen? Letztlich müssen Technologien dafür genutzt werden, um die Welt besser zu machen.

Gerade IT-Asset-Management, aber auch Process Mining haben hier eine Gemeinsamkeit: Beide besitzen die Macht eine Veränderung bei Unternehmen zu bewirken, sozusagen als Unterstützer der Digitalisierung von Unternehmen und Erschaffer von sinnvollen und logischen Prozessen. Weg von Greenwashing, hin zu echter Nachhaltigkeit.

Letztlich müssen Technologien dafür genutzt werden, um die Welt besser zu machen.

Alexander van der Steeg, CTO EntekSystems

Alexander Ritter:  Das zeigt natürlich auch, inwieweit die beiden Welten hier überlappen. EcoWise ist sehr stark im Produktionsprozess, Inventory360 zielt eher auf Beschaffungs-, Verwaltungs- und Wartungsprozesse. Dennoch benötigen beide valide Daten, denn ohne eine entsprechende Übersicht über die Hardware, die Software, die Lizenzen oder die Prozesse geht es eben nicht.

Alexander van der Steeg: Wie viele Daten entstehen denn eigentlich durch Process Mining?

Dirk Hermans: Durch die Prozesse entstehen Daten, die in dieser Form vorher nicht verfügbar waren. Die Datenmenge wächst um einiges an. Normalerweise befindet man sich hier im niedrigen einstelligen Gigabyte-Bereich, was den Platzverbrauch in der Cloud angeht. Übrigens sind fast alle Anbieter hier in der Cloud, es gibt vielleicht noch 5% der angebotenen Lösungen, die auf On-Premise laufen, meist aus regulatorischen Gründen.

📈 Bessere Planungsgenauigkeit

Alexander Ritter:  Wie erreicht ein Unternehmen eine genauere Planungsgrundlage?

Alexander van der Steeg: Das Wissen über den eigenen Besitz, der Wertgegenstände und der Position in der Prozesskette, hilft enorm dabei die eigenen Schritte smarter zu machen und den Umgang transparent und so effizient wie möglich zu gestalten. Die Antwort darauf liefern die richtigen digitalisierten Daten! 

Letztlich muss man ja wissen, was man hat, um zu wissen, was man braucht! So können unter anderem Kosten nachhaltig gesenkt werden, was auch in unserem aktuellen rezessiven Umfeld immer wichtiger werden wird. Aber es gibt auch die Möglichkeit einer ordentlichen Planungssicherheit, es erhöht die Transparenz innerhalb der Unternehmenskommunikation, es stellt eine Klarheit auf die Beine, die es bis dahin vielleicht in der Form noch gar nicht gab und man darf auch die sozialen Aspekte absolut nicht unterschätzen.

Braucht es immer das neueste Smartphone? Kann man einen nachhaltigeren Umgang mit Laptops & Co. erzielen? Die Fragen beginnen meist zu Hause und werden mit ins Berufsleben genommen und gerade dort muss ein vernünftiges IT-Management vorgenommen werden.

Insbesondere bei der Hardware, aber eben wie von Dirk angesprochen, auch bei den Daten. Nur so kann man Lösungen sauber etablieren und Grundlagen schaffen.

Man muss wissen was man hat oder eben nicht-hat, um zu wissen was man braucht!

Alexander van der Steeg, CTO EntekSystems

Alexander Ritter: An dieser Stelle möchte ich besonders auf die aktuelle Situation in Deutschland hinweisen. Das rezessive Umfeld bringt täglich neue Horrormeldungen, worunter auch die Planungssicherheit bei den Unternehmen enorm leidet. Es ist eines der ganz, ganz großen Themen, die die Wirtschaft derzeit bewegen und es vergeht kaum ein Tag ohne neue Erkenntnisse. Viele Unternehmen sagen bereits, „wir können aktuell gar nicht planen“!

Dirk Hermans: Das ist auch verständlich, wenn man aktuell nicht weiß, was passiert und man seitens der Politik auch nicht vollumfänglich abgeholt und vieles nicht transparent kommuniziert wird.
Manche sagen, sie wollen CO² neutral sein bis 2030. Was jedoch kaum ein Unternehmen hat, ist eine Planung wie man dorthin kommt.

Viele Unternehmen erheben zwar Kostenplanungen, aber ihnen fehlt es oft an Transparenz bei der CO² Datenerhebung.

Alexander Ritter: Nachhaltigkeitsaspekte sollten immer ein integraler Bestandteil der Planung sein, neben den reinen Kostenaspekten.

Dirk Hermans: Das ist etwas, was bei vielen noch nicht da ist und zum Teil vielleicht auch noch gar nicht da sein kann, da das Thema Process Mining recht neu ist.

Alexander van der Steeg: Man muss unbedingt vernünftiges Management im IT-Bereich betreiben, sowohl im Hardware-Bereich, aber auch bei den Gesamtdaten, sonst wird das Thema Planungssicherheit ganz schwierig.

📊 Integrierte Prozess-Analysen

Alexander Ritter: Im Zweifel steht man vor einem großen Problem: Fehlende oder falsche Daten.

Alexander van der Steeg:  Solche Themen werden meistens dann in Unternehmen zum echten Problem, wenn es eigentlich zu spät ist und der Fall bereits brennt. Gerade hier können sowohl ITAM als auch Process Mining enorm helfen, um genau diese Inkonsistenzen und Qualitätsprobleme zu umgehen oder bestenfalls zu lösen, noch bevor sie entstehen!

Dirk Hermans: Absolut. Wir wollen so viele Echt-Daten wie möglich und so viele Annahmen wie nötig verwenden. In der Business-Realität ist dieses Verhältnis leider oft noch genau umgekehrt.

Oft wird alles Top-Down runter gebrochen mit vermuteten Annahmen, wir orientieren uns mit Hilfe von wirklichen Daten, direkt an der Realität.

Bezüglich der Geschwindigkeit: Analysen mit Process Mining finden in Echtzeit statt. Das ermöglicht es Zahlen direkt & präzise zu visualisieren und diese auch bewertbar zu machen. Deshalb ist es so wichtig, dass man modernste Technologien verwendet.

💡 Inventarisierung leicht gemacht

Kombiniert Hardware, Lizenzen, Verträge, Bestellungen und vieles mehr in einem System.

3. Die Rolle von Nachhaltigkeit in Software

Alexander Ritter:  Warum ist es wichtig, dass Software in der heutigen Zeit vor allem die Nachhaltigkeit unterstützt?

Dirk Hermans: Für mich ist es deswegen so entscheidend, damit man sowohl Qualität als auch Seriosität ins Nachhaltigkeitsmanagement bringt, was meiner Meinung nach momentan kaum der Fall ist. Es wird leider sehr viel Greenwashing betrieben und dieses wichtige Thema dadurch verwässert.

Der springende Punkt ist: Transparenz wird auch die Zusammenarbeit mit Partnern unterstützen. Gemeinsame einheitliche Ziele können besser verfolgt und kommuniziert werden. Es ist Zeit vom High Level Management runterzukommen! Dafür benötigt man starke Tools wie das Process Mining oder ITAM.

Alexander van der Steeg: Transparenz und Seriosität sind natürlich die klassischen Aspekte, um im Softwarebereich auch diese Nachhaltigkeitsaspekte zu unterstützen. Ich würde bei dieser Frage eher auf den Punkt gehen: Was ist der Scope? Sprich: Warum sollte man das Ziel eigentlich verfolgen? Wenn man gesellschaftlich, volks-/ wie auch betriebswirtschaftlicher schaut, gibt es gar keine andere Option, als die Nachhaltigkeit zu verfolgen.

Die großen Krisen hängen mittlerweile unmittelbar, aber auch mittelbar mit diesen Faktoren zusammen. Klimawandel, Ausbeutung von Mitarbeitern, politische Instabilität, usw.  - Software kann ein Faktor sein, um eine bessere Welt zu schaffen!

Software bietet neue und gute Arbeitsplätze, bietet bei guter Datenlage eine Entscheidungsgrundlage, macht Prozesse klimaoptimierter und verfolgt das große Ziel: Mit weniger mehr zu machen. Laut verschiedenen Experten wird es zukünftig auch enorm viel Geld kosten, Nachhaltigkeit im Softwarebereich weiterhin zu ignorieren.

Software kann ein Faktor sein, um eine bessere Welt zu schaffen!

Alexander van der Steeg, CTO EntekSystems

Alexander Ritter:  Spannend ist, dass diese Themen eigentlich kein modernes Phänomen sind. Bereits seit den 70er Jahren wurde Nachhaltigkeit bereits sehr prominent, mit zahlreichen Aktionen wie „Rettet den Wald“ und Co. oder auch in den 90ern, gerade in der Popkultur.

Denken wir nur an Kinderserien wie „Captain Planet”, „Als die Tiere den Wald verließen” oder ähnliches. Generationen sind dadurch geprägt worden, hier neben dem ökonomischen Gedanken auch ein ökologisches Bewusstsein, ein gewisses Gefühl dafür zu entwickeln.

Mir persönlich kommt es so vor, dass nicht zuletzt durch die Bewegung “Fridays for Future” nun auch ein echtes moralisches Verständnis dazu kommt und die jüngeren Generationen sich für möglichst umfassende, schnelle und effiziente Klimaschutz-Maßnahmen einsetzen, was den Nachhaltigkeitsgedanken schließlich beinhaltet. Wir können uns der Umwelt und unserem Arbeitsumfeld in dieser Form ja gar nicht entziehen.

Alexander van der Steeg: Nehmen wir diese Begriffe wie Nachhaltigkeit und Digitalisierung, so sind sie allgegenwärtig. Jedoch hört man umso seltener den Begriff der Nachfolge – dabei muss ich doch gerade alle meine Prozesse genauestens kennen, alle meine Assets ordentlich geführt und verwaltet haben, um eines Tages die Themen transparent und nahtlos übergeben zu können.

Gerade beim Onboarding neuer Mitarbeiter ist dies der Hebel, so weiß man direkt, wo man eine Person einsetzen kann, und ich kann in Zukunft noch mehr Richtung Wissensarbeiter gehen. Das bildet eine andere Qualitätsform, da man ab dem ersten Moment das Wissen mitgeben kann und man gerade aus wirtschaftlicher Sicht keine unnötigen Kosten entstehen lässt. Im Gegenteil: man reduziert sie, verbessert den Einstieg und gibt die Zeit für die sinnvollen Tätigkeiten durch diese Wissensweitergabe frei, gerade auch bei hohen Fluktuationsraten.

Genauso in Business-Partnerschaften und Vertriebsnetzwerken. Dort wird umso mehr Wert darauf gelegt mit Unternehmen zusammenzuarbeiten, die nachhaltig sind und das auch beweisen können.

Alexander van der Steeg: Image und Prestige spielen hier eine große Rolle. Beispielsweise ein Unternehmen, das früher negative Schlagzeilen produzierte von toxischen Abfällen in Flüssen bis hin zum Massensterben von Fischen, ist heute umso interessierter daran gute Publicity zu generieren, um eine wesentlich bessere Außendarstellung als Unternehmen, aber auch als Marke zu haben.

Alexander Ritter:  Sprechen wir über Nachhaltigkeit in der gesamten Lieferkette. Software ist ein klarer Bestandteil dieser Kette – oder nicht?

Alexander van der Steeg: Für mich bedeutet das konkret:

  • Wie wird die Software betrieben?
  • Welche technischen Features werden eingesetzt?
  • Wird die Technologie in der Hyperscaler Cloud gehostet?
  • Hat diese dadurch einen anderen CO² Footprint als zum Beispiel lokal im eigenen Rechenzentrum?
  • Wie werden, wenn man den gesellschaftlichen Teil betrachtet, die Mitarbeiter behandelt?
  • Wird die Software national oder international entwickelt?
  • Wie sind die Arbeitsbedingungen dort?

All das steckt so ein bisschen in dem deutschen Lieferkettengesetz drin und die Balance muss einfach stimmen.

4. Wertschöpfung und Optimierung

Alexander Ritter: Apropos die Balance muss stimmen: Welche Wertschöpfung und Optimierungsmöglichkeiten seht ihr im ITAM-Bereich?

 Dirk Hermans: Es wird auch hier enorm viel Forschung betrieben und ich sehe drei klare Schritte:

  • Transparenz. Wir wollen wissen, was wirklich passiert.
  • Analyse. Wir wollen Daten analysieren - das geht teilweise mit einer Klassifizierung bzw. Clustering – Wie genau schaut man sich die Daten an? Welche Handlungsanweisungen können wir wirklich ableiten?
  • Weiterentwicklung der Planung. Damit man nicht nur schaut: Was ist passiert und passiert in diesem Moment? Sondern auch: Was lässt sich für gewisse Planungen ableiten? Da ist noch einiges an Entwicklungspotential.

Hier gehen wir wieder ins Machine Learning - Was können wir vorhersagen und wie können wir entsprechend planen?

Das geht darauf zurück, was wir vorher angesprochen haben: die Planung wird wesentlich schwieriger. Man muss zukünftig den Fokus auf Bandbreitenplanung legen.

In der Praxis habe ich bisher leider noch keinen solchen Prozess inklusive Bandbreiten, Wahrscheinlichkeiten und entsprechenden Anpassungen gesehen. Man muss sich als Unternehmen auf alle Eventualitäten einstellen, verschiedene Szenarien im Vorfeld modellieren, denn Vorsicht ist besser als Nachsicht.

Alexander van der Steeg: Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man aufgrund der generierten Informationen aus dem Prozess, die wir teilweise bereits erheben, auch entsprechende weiterführende Erkenntnisse erhält.

Zum Beispiel beim automatischen Inventarisierungsprozess: Geräteinformationen (z.B. Netzwerkinformationen) müssen automatisiert ein 360° Bild ergeben.

Durch diesen Rundumblick auf ein Asset kenne ich die eventuellen Fehlerszenarien bereits vorab und kann frühzeitig im Falle des Falles darauf reagieren.

Der zweite Aspekt für die Optimierung ist: Der Nachhaltigkeitsbereich.

Wenn ich weiß, was das Produkt in der Herstellung an CO² Emissionen produziert oder wie der Lieferant performt, kann ich diese Informationen direkt mit einfließen lassen in meinen 360° Blick.

Alexander Ritter: Diesen Insight finde ich hochspannend. Gerade in der Forschung gibt es bereits großartige Entwicklungen im Bereich des Machine Learning & Robotics. Wie verhält sich dieser Punkt im Process Mining? Wird die Software eigenständig besser & spielt Künstliche Intelligenz dabei eine Rolle?

Dirk Hermans: Mittlerweile nimmt KI einen immer größeren Schwerpunkt ein, diese generiert Handlungsempfehlungen. Natürlich bleibt der Mensch weiterhin ein Faktor, aber im Endeffekt hast du quasi die Lösungsoptionen mehr oder weniger auf Basis der Daten vorgegeben. Es wird prognostiziert, empfohlen und du musst entscheiden, was für dich strategisch am sinnvollsten in der jeweiligen Situation ist.

Alexander Ritter: Das klingt auch sehr nach einer Veränderung des Blickes auf die moderne Arbeitswelt?

Alexander van der Steeg: In der IT-Branche oder der Digital-Business-Welt generell, besteht ein solcher Mindset-Change definitiv!

Man spürt förmlich die Veränderung: Es gibt neue Einstellungen zu gewissen Themen und gerade die Digitalisierung oder auch die Nachhaltigkeit sind sehr kontroverse Themen, aber wichtiger denn je.

Die Frage nach der Obsoleszenz von Gegenständen ist omnipräsent. Moderne Entscheider stellen sich oft die Frage: Wie verbessere oder verlängere ich die Lebensdauer und Nutzungszeit meiner Geschäftsgüter?

Dirk Hermans: Ich sehe vermehrt auch immer neue Geschäftsmodelle, die in diese Richtung gehen. Recycling ist ein wichtiges Thema oder auch die vermehrt aufkommenden Subscription/Abo-Modelle. Telefone muss man heute nicht mehr kaufen, sondern kann sie ganz bequem im Abo bestellen.

So kann man die Gegenstände nutzen, bis sie kaputt oder unbrauchbar sind und führt diese wieder zurück in den eigentlichen Kreislauf. Das ist ein toller Ansatz und sollte ebenso in der digitalen Welt genutzt werden.

Alexander van der Steeg: Auch im privaten Umfeld stellt sich die Frage:

  • Brauche ich jedes Jahr ein neues Smartphone?
  • Kaufe ich mir eine günstige oder eine robustere Tastatur, mit der ich längerfristig zufrieden bin?
  • Braucht es immer den nächsten und größeren TV?

Das bringt mich unweigerlich zur Frage: Wer führt was eigentlich wie und wo in den Nutzungskreislauf zurück? Wie gibt man B- oder C- Ware zurück? Gibt es Geld zurück? Habe ich zusätzliche Vorteile dadurch (Rabattierung, Bonität, usw.)?

Dirk Hermans: Ich finde es wichtig, dass das Thema im Moment so en vogue ist. Wenn wir nichts machen, haben wir in 50 Jahren keinen bewohnbaren Planeten mehr! Das ist weniger ein Hype als mehr die absolute Notwendigkeit. Es muss gehandelt, nicht nur darüber gesprochen werden.

Wie verbessere oder verlängere ich die Lebensdauer und Nutzungszeit meiner Geschäftsgüter?

Alexander van der Steeg, CTO EntekSystems

5. Nutzerverhalten

Alexander Ritter: Lasst uns zum Handeln kommen! Ermöglicht Process Mining ein besseres Verständnis von z. B. Nutzerverhalten hinter den KPIs?

Dirk Hermans: Durch Process Mining kann man Prozessabläufe transparent darstellen und ein Verständnis für die Zusammenhänge entwickeln.

  • Welche Prozesse werden ausgeführt?
  • Bei welchem Teil der Kette fallen die Probleme eigentlich an?
  • Gibt es Bottlenecks?
  • Kann Clustering (Kategorisches Zusammenfassen von Problemfällen als Entscheidungsgrundlage) unterstützen?
  • Entstehen durch die Insights des Process Mining auch datenschutzrechtliche Probleme?

Aber ich denke, es hat auch einen 100% positiven Effekt: Personen, die täglich mit solchen Daten arbeiten, können jederzeit sehen mit welchem Business Partner sie es zu tun haben und verstehen auf Anhieb, wo Probleme entstehen können. Und das alles in Echtzeit.

Eine entsprechende Wissenslücke kann oft 2-3 Stunden zusätzlich kosten, die man mit Fehlersuche beschäftigt ist. Mit Process Mining dagegen hat man innerhalb von 10 Minuten bereits einen passenden Lösungsansatz, ein generelles Verständnis und weniger Stress. Das verbessert selbstverständlich das Nutzerverhalten und bietet dem Unternehmen einen klassischen Win-Win.

Alexander van der Steeg: Wie kann ich mir die Visualisierung der KPIs vorstellen? Man hat hier sicher extrem viele Datenpunkte und je mehr KPIs ich per automatischer Prozessanalyse erfasse, desto umfangreicher wird das Ganze doch sicher?

Dirk Hermans: Normalerweise definieren wir pro Prozess ungefähr 10 KPIs. Darüber hinaus wird es oft unübersichtlich und es fehlt der Überblick.

Über verschiedene Graphen erhalte ich eine entsprechende Analyse, Handlungsmöglichkeiten, sehe welche KPI die Entwicklung betreffen und habe jederzeit Übersichtlichkeit.

Der Ansatz ist hier, dass man sich Bereiche anschaut, visualisiert, analysiert und tiefer anschauen kann, was im Big Picture vielleicht nicht direkt auffällt, da zu viele Interdependenzen bestehen, die das ganze sonst unübersichtlich gestalten würden. So kann man es auch runterbrechen in Unterbereiche wie z.B. Anlagensteuerung in der Fabriksteuerung oder ähnlichem.

Alexander Ritter: Was sind die Ideen und Trends der Zukunft für Process Mining?

Dirk Hermans: Ich denke es gibt bei den Anwendungen wie unserem ESG noch Potentiale, gerade bei der sozialen Komponente sollte man schauen, was man erreichen will und was möglich ist. Mitbewerber erarbeiten oft gewisse Scorecards, das geschieht allerdings noch klassisch über Fragebögen – Process Mining wäre an dieser Stelle wesentlich mächtiger, meiner Meinung nach.

Eine weitere Idee ist die Verbesserung der Handlungsempfehlungen. Es bestehen bereits gewisse Automatisierungen, doch gerade bei den sogenannten Carbon Credits (Guthaben für CO²) wäre neben der bestehenden Information über die Höhe und Anzahl, auch ein gewisses Carbon Handling (zum Vereinheitlichen von Verbrauch und Bestand) enorm interessant.

Genauso zeigt der Trend, dass man das Carbon Offset weiter optimiert und noch besser mit Process Mining verbindet, um die Synergien zu nutzen.

Unser Ziel ist eine Plattform für Unternehmen, die in jeglicher Situation entsprechende Handlungsempfehlungen ausgeben kann und mit weiteren Ideen zukünftig noch erweitert wird.

Es gibt allerdings noch zwei letzte Punkte, die ich unbedingt zukünftig eingebunden haben will: Blockchain und das Metaverse. Wie cool wäre eine VR-Brille in Verbindung mit Process Mining? Quasi Augmented Reality - direkt in Echtzeit und Live, während man sich durch Prozesse und Versionen quer durch die Matrix bewegt.

Alexander Ritter: Ein schönes Schlusswort und ein toller Ausblick auf die kommenden Technologien! Diese und weitere Themen werden sicher auch unsere Leser interessieren und stellen Aspekte dar, die man vielleicht nicht direkt auf dem Schirm hatte, welche uns aber sicher noch lange begleiten werden. Vielen herzlichen Dank an euch beide und vielen Dank fürs Lesen!

💡 Fazit (Teil 2 - Die Nachhaltigkeit)

☑️ Durch die Nutzung verschiedenster, moderner Technologien kann eine echte Nachhaltigkeit gelebt werden.

☑️ Echtzeit-Transparenz mit gemischten Daten aus diversen Prozessen verhelfen den Unternehmen optimale Entscheidungen zu treffen. Aufgrund von aussagekräftiger Datenbasis und darauf aufbauender Handlungsempfehlungen.

☑️ Grundsätzlich bringt die Mischung von verschiedenen Technologien den Vorteil von Effizienz, Stabilität in Prozessen und Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit.

☑️ Außerdem erlangt man neue Erkenntnisse und schafft sich einen anderen Blick auf die bestehenden Prozessabläufe.

Erfahren Sie in Teil 1 unseres Interviews mit Dirk Hermans, wie die Process Mining, ITAM und ihre Technologien zusammenpassen.

Alexander Ritter
Alexander Ritter Autor

Head of Sales & Marketing

Herr Ritter verantwortet bei der EntekSystems die Bereiche Sales & Marketing, vom Management der Teams, bis hin zu Marketingkampagnen, Markenstrategien und Wachstumsplänen.

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